
Anlässlich der bevorstehenden Herbstsaison habe ich einmal die Webauftritte verschiedener Modelabels genauer unter die Lupe genommen.
Lifestyle pur verspricht das neue eMag von Hugo Boss. Viel Content, viel Flash - die Umsetzung wirkt wertig und gelungen. Genauso wie die Hauptseite für die Kollektionen. Alles ist klar und reduziert gestaltet und gibt einen guten Überblick über das Label. Besonders gefallen die Videosequenzen der einzelnen Teile. Zudem gibt es Microsites für den Hugo Boss Prize und Hugo Boss Sailing sowie für die Boss Shops. Deutsche Wertarbeit also.

H&M kommt im Internet alles andere als billig daher. Immer wieder begleiten nett gemachte Webspecials die neuen Kollektionen, wobei vor allem die Zusammenarbeit mit bekannten Designern und Celebrities beworben werden. Nach Lagerfeld und Stella McCartney ist aktuell Madonna an der Reihe, ihre “Liebe” zum schwedischen Textilkonzern modisch auszudrücken. Auch das H&M Magazine gibt es als nett gemachtes Webzine zum Online-Schmökern. Fazit: nicht herausragend, aber durchaus sehenswert.
Dolce&Gabbana mögen es opulent und avantgardistisch. Das merkt man auch auf Ihrer Website. Der barocke, von ihrer sizilianischen Heimat inspirierte Stil zieht sch wie ein roter Faden durch die vielen Micro-Sites, die leider viele Pop-ups nach sich ziehen. So verschieden wie die Kollektionen sind auch die Eindrücke, die man von dieser Flash-Seite gewinnt. Einerseits optisch ganz nett gemacht, fehlt letztenendes der nötige Kick im Konzept. Zu verspielt mutet vieles an, aber auch wenig wertig, wie bei der Lizenz-Linie D&G. Hier könnte man etwas mehr draus machen…

Gucci präsentiert sich erst seit kurzem auf einer ganz neuen (von einer österreichischen Agentur entworfenen) Seite. Sieht aus wie Flash, ist aber keines. Viel Javascript sorgt für die eleganten Übergänge und Animationen. Das Design unterstreicht die klassische Strenge des Labels. Zeitlos und edel. Doch kann man sich der Frage nicht erwehren, ob dies alles nicht mit Flash noch eine Spur flüssiger und einfacher gegangen wäre… Trotz allem ein wertiger Auftritt - nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Die Seite für Y-3, der Kollaboration zwischen adidas und Yoshi Yamamoto, kann man getrost als state-of-the-art bezeichnen. Jede Saison wartet man mit einem neuen, innovativen Konzept auf - diesmal etwa in Form von Spiegeleffekten (siehe Screenshot). Die Flash-Programmierung ist wirklich erste Sahne - flüssig, mit sinnvollen Effekten. So soll es sein. Das Design selbst folgt dem Credo der Kollektion - futuristisch, minimalistisch und vor allem hochwertig. Wen wundert es da, dass die Site schon mehrmals mit Preisen ausgezeichnet wurde.

Der kreative Esprit des Diesel-Gründers Renzo Rosso ist auch im Web allgegenwärtig. Die aktuelle Kampagne wurde aufwendig und im typischen, leicht exzentrischen Stil der Marke umgesetzt. Das Thema ‘Jeans’ wird natürlich gross geschrieben und ebenfalls sehr kreativ in Szene gesetzt. Die in Kuben herumfliegenden Models erinnern allerdings stark an das Vorjahres-Konzept von adidas/Y-3.

Zeitlos klassisch gibt sich die Website von Giorgio Armani. Die zum Grossteil in Flash umgesetzten Inhalte liefern einen guten Überblick über das Imperium des Modeschöpfers. Von Mode bis zu Möbeln und Kunst - hier gibt es alles, was das Luxus-Herz begehrt. Das Layout hat sich über die Jahre nur geringfügig verändert, was aber kaum negativ auffällt. Schliesslich läuft man hier bewusst keinen kurzlebigen Trends hinterher. Die Exklusivität macht sich auch in einer leichten Distanziertheit gegenüber dem User bemerkbar; Downloads wie etwa Desktophintergründe sucht man hier vergeblich. Alles in allem eine Seite, die mehr auf subtile Eleganz statt technischer Innovation setzt und gerade deshalb überzeugen kann.

Länderspezifische Inhalte sind nicht selten. Während die europäische Version eher durchschnittlich daherkommt, bietet die japanische Seite von Levi’s wirklich ‘Inspiration’ pur. Die Umsetzung ist wirklich auf der Höhe der Zeit und wartet mit allem auf, was mit Flash derzeit machbar ist. Ein wirklich gelungenes Konzept, dass den Stil der Marke sehr gut kommuniziert.

Die schwedische Jeans-Marke Nudie ist sicher nicht vielen ein Begriff. Doch nicht nur die Denims sind erste Klasse (hab selber eine…), auch die Homepage verdient grosses Lob. Hier wird der ‘Independent’-Charakter gut mit professionellem Webdesign kommuniziert. Hier gibts wirklich einiges zu entdecken, obwohl es wirklich ‘nur’ um Jeans geht…

Sportswear wird offensichtlich immer gut vermarktet. Auch Puma gibt sich im Netz keine Blöse. Flash vom Feinsten wird hier geboten, gleichzeitig aber alles schön übersichtlich. Für jede Linie gibt es wiederum eigene Specials, die sich gegenseitig zu überbieten scheinen. Besonders eindrucksvoll: Mongolian Shoe BBQ.

Nike ist gewissermassen der Pionier guten Marketings, auch im Web. Hier bekommt man wirklich was zu sehen. Alles sehr kreativ umgesetzt, immer mit dem nötigen Etwas. Ein Klassiker…


2 Responses
1 Jörg | Oct 10, 2006 at 10:39 pm
Aber trotzdem - irgendwie fehlen mir neue Elemente in der Welt der Modewerbung. Es wirkt alles … gleich.
2 juergen | Oct 10, 2006 at 10:50 pm
Was die Print-Werbung betrifft, geb ich dir teilweise recht. Im Web gehören aber einige der genannten Beispiele definitiv zu den wirklichen Impulsgebern in Sachen Kreativität.
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